Deutschlands Gold in den USA: Eine neue Debatte um die Sicherheit unserer Reserven
Der Goldpreis notiert auf Rekordständen und rückt den nationalen Goldschatz wieder verstärkt in den Fokus. Doch während der Wert des Edelmetalls steigt, wachsen auch die Sorgen um die Sicherheit der deutschen Reserven, die in den Tresoren der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in New York lagern. Eine politische Debatte in den USA wirft die Frage auf, die lange als geklärt galt: Ist die Fed noch ein unangreifbar sicherer Hort für das deutsche Gold?
Der Zankapfel: Die Unabhängigkeit der US-Notenbank
Auslöser der neu entflammten Diskussion ist die Sorge vor einem wachsenden politischen Einfluss auf die US-Notenbank. Kritiker befürchten, dass die traditionelle Unabhängigkeit der Fed, die als Garant für Stabilität gilt, untergraben werden könnte. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Stimmen in Deutschland lauter werden, die eine vollständige Rückholung der im Ausland gelagerten Goldreserven fordern.
Aktuell lagern noch immer rund 1.236 Tonnen deutsches Gold – verteilt auf mehr als 98.000 Barren – bei der Fed in New York. Zwar wurden im Rahmen einer großangelegten Rückholaktion zwischen 2013 und 2017 bereits 300 Tonnen aus den USA nach Frankfurt verlagert, doch der verbliebene Anteil ist weiterhin substanziell.
Die Argumente der Kritiker: Ein Risiko für Deutschlands Schatz?
An der Spitze der Kritiker steht Michael Jäger, Präsident des europäischen Steuerzahlerbundes. In einem Brief an die Bundesbank und das Bundesfinanzministerium mahnte er unmissverständlich: „Es ist höchste Zeit dafür, das Gold zurückzuholen.“ Seine Bedenken stützen sich auf zwei wesentliche Punkte:
- Verlust der Unabhängigkeit: Die anhaltende politische Debatte um die Steuerung der Fed weckt die Befürchtung, dass die Notenbank zum Spielball politischer Interessen werden könnte.
- Hohe US-Staatsverschuldung: Mit Schulden in Höhe von rund 37 Billionen Dollar stehen die USA vor enormen finanziellen Herausforderungen. Jäger hält es für „naheliegend“, dass eine US-Regierung in einer extremen Notsituation auf ausländische Goldreserven zugreifen könnte.
Unterstützung erhält Jäger von Politikern wie dem CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber, der die Bundesbank ebenfalls zum Handeln auffordert.
Die Position der Bundesbank: Vertrauen und Diplomatie
Die Deutsche Bundesbank hingegen sieht die Lage gelassen. Auf Anfrage bekräftigt sie ihr uneingeschränktes Vertrauen in die Federal Reserve als „vertrauenswürdigen, verlässlichen Partner“. Man entsende regelmäßig eigene Inspektionsteams nach New York, um die Bestände zu prüfen, und es habe dabei zu keiner Zeit irgendwelche Beschränkungen gegeben.
Neben der reinen Sicherheitsfrage spielen für die Bundesbank aber auch andere Faktoren eine Rolle, die sie nicht offen ausspricht:
- Diplomatische Folgen: Ein vollständiger Abzug des Goldes aus New York käme einem Misstrauensvotum gegenüber den USA gleich und könnte die transatlantischen Beziehungen belasten.
- Strategische Bedeutung: Die Lagerung an einem der wichtigsten Goldhandelsplätze der Welt stellt sicher, dass die Reserven im Krisenfall schnell liquidiert und in Fremdwährungen getauscht werden können.
- Hohe Kosten: Die bereits durchgeführte Rückholaktion hat mehrere Millionen Euro gekostet. Jeder Barren musste aufwendig transportiert, geprüft und teilweise neu eingeschmolzen werden.
Einordnung für Investoren
Die Debatte um die Sicherheit des deutschen Goldes in den USA ist mehr als eine theoretische Diskussion. Sie berührt das Fundament des Vertrauens in internationale Institutionen. Während die Bundesbank auf Stabilität und bewährte Partnerschaften setzt, verweisen Kritiker auf nicht zu ignorierende politische Risiken. Für Anleger ändert sich an der fundamentalen Bedeutung von Gold als Wertspeicher und Krisenschutz nichts. Die Diskussion zeigt jedoch eindrücklich, welch enorme politische und symbolische Macht in den goldenen Barren steckt, die tief unter den Straßen von New York auf ihren Einsatz warten.