1.313 Tonnen Gold: Physische Nachfrage bricht im dritten Quartal alle Rekorde

1.313 Tonnen Gold: Physische Nachfrage bricht im dritten Quartal alle Rekorde

Während die Finanzmärkte im Oktober eine Atempause einlegten und der Goldpreis nach seiner beeindruckenden Rallye eine Phase der Konsolidierung durchlief, blickten viele Anleger gespannt auf die Veröffentlichung der fundamentalen Marktdaten. Oft besteht eine Diskrepanz zwischen dem kurzfristigen, oft von Derivaten getriebenen „Papierpreis“ und der realen, physischen Nachfrage.

Der nun veröffentlichte, viel beachtete Quartalsbericht des World Gold Council (WGC) zur globalen Goldnachfrage im dritten Quartal 2025 beseitigt alle Zweifel: Das physische Fundament des Marktes ist nicht nur stabil, es ist stärker als je zuvor. Die globale Nachfrage erreichte einen neuen historischen Rekordwert für ein drittes Quartal.

Das Kernsignal: 1.313 Tonnen – Der Preis spielt (fast) keine Rolle

Insgesamt belief sich die globale Nachfrage in den Monaten Juli bis September 2025 auf 1.313 Tonnen Gold. Ein Plus von nur einem Prozent im Vergleich zum bereits extrem starken Vorjahresquartal (Q3 2024) mag auf den ersten Blick vielleicht sogar enttäuschend moderat wirken.

Das eigentliche Signal – und die wahre Stärke des Marktes – verbirgt sich jedoch nicht im Volumen (der Tonnage), sondern im Wert (dem gezahlten Preis). Aufgrund des stark gestiegenen durchschnittlichen Goldpreises im Berichtszeitraum gaben die Käufer für diese 1.313 Tonnen rund 41 Prozent mehr aus als im Vorjahresquartal.

Für Anleger ist dies die wichtigste Erkenntnis des Berichts: Die Nachfrage erweist sich als bemerkenswert preis-inelastisch. Einfach ausgedrückt: Die Käufer sind willens und in der Lage, das Gold auch auf einem deutlich erhöhten Preisniveau zu absorbieren. Die Sorge, dass ein hoher Preis die physische Nachfrage – insbesondere im preissensiblen Schmucksektor oder in Schwellenländern – abwürgen könnte, hat sich nicht bewahrheitet. Der Markt hat die neuen Preisniveaus eindrucksvoll verdaut.

Die tragenden Säulen der Nachfrage

Um diese Stärke zu verstehen, muss man die einzelnen Sektoren betrachten, die zu diesem Rekord beigetragen haben.

1. Die Zentralbanken: Der unerschütterliche strategische Käufer

Ein zentraler Pfeiler dieser robusten Nachfrage bleiben, wenig überraschend, die Notenbanken. Sie agieren nicht als kurzfristige Spekulanten, die auf den nächsten Preissprung wetten, sondern als strategische, langfristige Investoren, die ihre nationalen Währungsreserven absichern.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 summierten sich die Nettozukäufe der Zentralbanken weltweit auf 634 Tonnen. Zwar liegt dieser Wert unter dem absoluten Rekord-Vergleichszeitraum von 2024 (damals 724 Tonnen), doch dieser leichte Rückgang ändert nichts an der strategischen Kernaussage. Die Käufe bleiben auf einem Niveau, das die Durchschnittswerte der letzten Dekade weit in den Schatten stellt.

Das Rekordjahr 2024 war offensichtlich kein statistischer Ausreißer, sondern der Beginn eines „neuen Normalzustandes“, in dem Gold als neutraler Wertanker in einer Welt geopolitischer Spannungen und anhaltender Inflationssorgen eine unverzichtbare Rolle spielt.

2. Investment und Schmuck: Eine stabile Basis

Der Bericht zeigt, dass auch die private Nachfrage robust bleibt. Die Investmentnachfrage (Münzen und Barren) sowie der Schmucksektor trugen wesentlich zum Gesamtergebnis bei. Dass die Schmucknachfrage trotz der hohen Preise nicht eingebrochen ist, ist ein weiteres starkes Zeichen, da dieser Sektor normalerweise als sehr preissensibel gilt. Es deutet darauf hin, dass Gold auch kulturell als Wertspeicher wieder stärker wahrgenommen wird.

Die Psychologie des Marktes: Warum Altgold zurückgehalten wird

Ein besonders faszinierender Einblick in die Psychologie der privaten Anleger findet sich auf der Angebotsseite, genauer: beim Recycling-Angebot. Die Menge an Altgold (z. B. eingeschmolzener Schmuck oder Zahngold), die auf den Markt kam, ging im dritten Quartal leicht um ein Prozent auf 344 Tonnen zurück.

Dieses Detail ist bemerkenswert und widerspricht der reinen ökonomischen Lehre. Nach der reinen Lehrbuchökonomie müsste ein stark gestiegener Goldpreis dazu führen, dass mehr Privatpersonen ihr Altgold zu Geld machen, um Gewinne zu realisieren. Dies würde das Angebot erhöhen und den Preis tendenziell dämpfen.

Doch wir beobachten das Gegenteil. Das World Gold Council interpretiert diesen Rückgang als klares Zeichen, dass viele private Besitzer ihr Altgold bewusst zurückhalten. Die Markterwartung „an der Basis“ scheint zu sein, dass der Höhepunkt der Preisentwicklung noch lange nicht erreicht ist. Man ist noch nicht bereit, zu den aktuellen, bereits hohen Niveaus zu verkaufen. Diese ausgeprägte Holder-Mentalität stützt den Markt von der Angebotsseite und ist ein weiteres Indiz für das tiefe Vertrauen der Anleger in den weiteren Wertverlauf.

Was Anleger jetzt mitnehmen sollten

Das Bild, das das WGC für das Q3 2025 zeichnet, ist Sektor-übergreifend robust und in seiner Konsequenz klar bullisch.

Wir sehen eine rekordhohe Nachfrage (gemessen am Wert), die bereit ist, deutlich höhere Preise zu zahlen. Diese Nachfrage trifft auf unnachgiebige strategische Käufer (die Zentralbanken) und gleichzeitig auf ein verknapptes Sekundär-Angebot (Recycling), weil private Halter auf noch höhere Notierungen spekulieren.

Für den langfristigen Anleger sind diese Fundamentaldaten oft wichtiger als die kurzfristige, technische Volatilität an den Terminmärkten. Sie belegen, dass der jüngste Preisanstieg nicht auf reiner Spekulation beruhte, sondern von einer realen, tief verwurzelten und globalen physischen Nachfrage getragen wird. Der Markt baut offensichtlich eine starke Basis für die nächste Bewertungsstufe auf.

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